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Offener Brief der Musikindustrie an Angela Merkel
Ich kanns nicht mehr hören.
Zum gestrigen "Tags des Geistigen Eigentums" (eine Erfindung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie)
wurde gestern in verschiedenen großen Tageszeitungen Deutschlands ein offener Brief an die Bundeskanzlerin Angela Merkel veröffentlicht.
Darin fordern die ca. 200 Unterzeichner die Kanzlerin dazu auf, den "angemessenen Schutz" ihrer Werke "zur Chefsache zu machen".
Den genauen Wortlaut findet Ihr hier.
Es ist durchaus fragwürdig welch großartige "Künstler" da unterschrieben haben
(u.a. Yvonne Catterfeld, Roger Cicero, DJ Ötzi, Juli, Udo Jürgens, Klaus&Klaus, Alexander Klaws, Mickie Krause, Peter Maffay, MIA, Monrose, Scooter, Tokio Hotel - vielleicht solltet Ihr mit etwas anderem als Eurem “geistigem Eigentum” Geld verdienen)
, allerdings danke ich auch für die schöne Boykottliste.
Die Antwort der Kanzlerin kam prompt:
Ich darf den Künstlerinnen und Künstlern also sagen: Die Bundesregierung kümmert sich um ihre Anliegen. Wir wissen, dass es ein dickes Brett ist, das wir bohren müssen, aber wir werden in unserem Kampf um einen besseren Schutz von künstlerischen Produkten nicht nachlassen, denn als Kulturnation wollen wir als Deutsche unseren Beitrag dazu leisten, dass auch diese Leistungen in gebührendem Maße anerkannt werden.Den kompletten Videopodcasts könnt Ihr hier nachlesen.
Eigentlich wollte ich mich ja nicht mehr so aufregen, aber was hier abgezogen wird ist in meinen Augen einfach nur noch erbärmlich:
- Klappern gehört ja bekanntlich zum Handwerk. Ich frage mich ernsthaft wie man auf die Zahl von über 300 Millionen illegal heruntergeladenen Musikstücken kommt. Es heißt doch nicht umsonst "Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast" und gesponserte Studien sind ja wohl alles andere als glaubhaft. Wie wärs denn zum Beispiel mal mit dieser Studie? :)
Auch die Behauptung, dass "70 Prozent des Internetverkehrs in Deutschland auf die – leider meist illegale – Tauschbörsennutzung" entfallen" halte ich eher für eine Wahnvorstellung der Lobbyisten der Musikindustrie. Wo bleibt der glaubwürdige Nachweis der behaupteten Fakten? Laut einer Trafficanalyse von einer Million Breitbandkunden in Nordamerika sind "nur 37%" des Gesamtvolumens auf P2P zurückzuführen und letztendlich sollte man nicht vergessen, dass Filesharing prinzipiell nicht verboten ist und nicht alles was getauscht wird ist illegal. - Es ist mir neu, dass die MI eine soziale Einrichtung ist, welche sich nur das Ziel gesetzt hat Arbeitsplätze zu sichern. Letztendlich ist sie auch bloß eine kommerzielle Industrie, die auf Profit aus ist. Es geht lediglich darum Geld zu verdienen und das haben sie in der Vergangenheit ja zur Genüge getan. Man hat sich dumm und dämlich verdient, damals als die CD eingeführt wurde und sich die Käufer ihre Plattensammlungen ein zweites Mal in digitaler Form zugelegt haben. Die goldenen Zeiten CD`s zu überteuerten Preisen zu verkaufen sind allerdings vorbei.
- Es wurde schon immer kopiert und das wird auch nie aufhören. Das böse, böse Internet ist auch nicht Schuld wenn die Manager nicht in der Lage sind die Chancen die es bietet richtig zu nutzen. Wie kann man nur die Zeit so verschlafen. Neue, innovative Konzepte wie Napster wurden durch die Industrie bekämpft und plattgemacht. Selbst als Apple mit iTunes auf den Markt kam, waren die Stimmen der Kritiker laut. Wirklich leidtragend an der verschlafenen Entwicklung sind nicht die Künstler, sondern die Industrie selber und mit der habe ich kein Mitleid wenn sie untergeht. Es wird neue Wege geben um Musik zu vertreiben. Vielleicht ist es der bessere Weg wenn die Künstler das selbst in die Hand nehmen und vielleicht kommen auf dies Art auch bessere Preise zustande und beim Künstler mehr als 4% vom Erlös an.
- Womit wir beim nächsten Thema sind... dem Erlös. Es ist unfassbar wie sich Künstler so zum Sklaven machen können, aber es passt sehr gut zum Sprichwort "Nur die dümmsten Schafe wählen ihre Schlächter selber". Label und Vetrieb greifen sich nämlich sagenhafte 50% vom Verkaufspreis ab. Nur noch Hersteller und Produzent verdienen mit 3% und 1% weniger als der Künstler (siehe Grafik unten). Mehr zu diesem Thema findet ihr bei der Bundeszentrale für politische Bildung.
Und nun? Was wollt Ihr tun? Was kommt als nächstes? Weiter rumheulen und auf den Untergang warten? Wollt Ihr Euren Fans den Internetanschluss kappen, oder gleich eine ganze Gesellschaft unter Generalverdacht stellen?
Wann kappiert Ihr es endlich. Nicht alle in diesem Lande lesen das Wurstblatt mit den vier großen Buchstaben und nicht alle Menschen lassen sich für dumm verkaufen und glauben den Mist den Ihr da zu verbreiten versucht.
Bitte versteht mich nicht falsch, ich bin auch für die ordnungsgemäße Entlohnung der Künstler, aber ich bin gegen eine generelle Kriminalisierung der Internetnutzer. Trotzdem werde ich auch weiterhin keine überteuerten, oder kopiergeschützten CD's kaufen und ich lasse mir auch nicht vorschreiben was ich kaufe, es ist mein Geschmack und nicht Eurer. Kunst wird nicht aussterben und wer sich Eure "Kunst" nicht antun will findet im Netz genug kostenlose Alternativen... z.B. bei Jamendo oder Magnatune.
Im Übrigen: "das Öl des 21. Jahrhunderts" ist und bleibt das Öl. :P
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