Die vorübergehende Abschaltung der ältesten deutschen Atomkraftwerke infolge des Moratoriums der Bundesregierung sorgt weiter für erhitzte Gemüter. Während die Anti-Atomkraft-Seite immer wieder auf den Stromüberschuss verweist, glänzt die Gegenseite mit düsteren Vorhersagen bezüglich der Versorgungssicherheit. Aufgrund der doch sehr stark variierenden Aussagen zum Thema Im- und Export habe ich mich auf die Suche nach genaueren Daten gemacht und bin dabei auf die Seite des BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.) gestossen.
Laut der BDEW-Analyse für März 2011 gibt es doch erhebliche Veränderungen bei Ein- und Ausfuhren von Strom. Das Herunterfahren der sieben Kernkraftwerke hat zum Ausfall von 7.000 Megawatt Kraftwerksleistung und einer Strommenge von rund 120 Gigawatt-stunden pro Tag geführt. Durch die Revision im Kernkraftwerk Grafenrheinfeld fehlen weitere 30 bis 35 GWh/Tag.
Dies führt zu erheblichen Veränderungen im Stromaustausch. Bestand der Exportüberschuss in der ersten März-Hälfte noch bei rund 70 bis 150 GWh/Tag, ergibt sich nach dem Herunterfahren der Kernkraftwerke (17. März) ein Einfuhrüberschuss von rund 50 GWh/Tag. So haben sich Importe aus Frankreich und Tschechien verdoppelt, während sich Exporte in die Niederlande und in die Schweiz etwa halbiert haben.
Insgesamt haben wir also deutlich mehr Strom im- als exportiert. Ob es nun sicherer ist Atomstrom aus dem Ausland zu importieren anstatt ihn selber zu produzieren ist fragwürdig. Mit Sicherheit gibt es auch andere Alternativen, etwa das stärkere Ausfahren der bestehenden konventionellen Kraftwerke im Inland (was allerdings auch wieder zu einer erhöhten CO2-Emission führt). Leider finde ich keine genaueren Daten zur Auslastung dieser Kraftwerke und zur Netzauslastung.
Wir müssen auf jeden Fall zügig neue Leitungen und Speicher installieren, denn mit dem Abschalten aller AKW ist eine Unterversorgung - zumindest im energiehungrigen Süden - sehr wahrscheinlich.
Daten Quelle: BDEW
Der ausführliche Bericht ist auf der Webseite des BDEW zu finden: Zum Bericht (PDF-Dokument)